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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat Juli 2016

Wolfgang Küther

Das Alter geht an ihm vorbei

Man sieht ihm seine 75 Jahre nicht an. Der charmante Sachse hat sich kaum verändert und strahlt die gleiche Energie aus, die wir schon seit Jahren an ihm mögen. Und: er zählt heute immer noch zu den aktiven Motorsportlern!

 

Wolfgang Küther begann seine Laufbahn mit einem unförmigen Stahlschuh am linken Fuß. Speedway hieß die Sportart und der legendäre Meißener Rundkurs war 1956 seine erste motorsportliche Heimat. Bis in die 1960er Jahre machte er die Speedway-, Gras- und Sandbahnen zwischen Erzgebirge und Ostsee unsicher und hinterließ auch auf dem legendären Teterower Bergring tiefe Rinnen. Nach einer kurzen Stippvisite im „K-Wagen“ stieg er 1968 in den Formelrennsport ein.

 

Heinz Melkus war sein erster wichtiger Förderer. Er bot ihm beste Bedingungen zum Aufbau eines Formel 3, indem er dem talentierten Dresdner die Nutzung der firmeneigenen Rennwerkstatt gestattete. Bereits 1969 bedankte sich Wolfgang Küther mit dem Gesamtsieg in der Leistungsklasse II und begab sich damit in den Kampf um Meistertitel und internationale Pokalpunkte. Schon 1971 hatte er es geschafft: DDR-Meister der Formel 3. Seine stärksten Gegner Heinz Melkus und Klaus-Peter Krause waren auf den Plätzen gelandet. Jetzt wuchsen dem Dresdener Flügel und er legte erst richtig los: Nach der Ausschreibung der Klasse C9 veränderte er seinen Rennwagen komplett.

 

Als einer der ersten pflanzte er einen Viertakt-Motor des gerade in die DDR importierten PKW „Shiguli“ in das Heck seiner Rennzigarre und entwarf für den betagten „Melkus 64“ zusammen mit Hartmut Thassler eine Vorderhaube aus GFP („Glasfaserpolyester“). Mit der Startnummer 108 stellte er somit eine der interessantesten Rennwagenkonstruktionen auf die Räder. „Das Auto war einfach geil“, schwärmt er heute noch, „es lag perfekt auf der Straße und der Motor ging richtig gut.“ Das Ergebnis: Erneuter DDR-Meistertitel 1973 und damit Höhepunkt seiner aktiven Karriere in der DDR.

 

Im Folgejahr verblüffte Küther noch einmal die Sportwagenszene: Mit einem „Saporoshez“ mit „Shiguli“-Mittelmotor demonstrierte er seinen Ideenreichtum und technische Finesse. Der skurrile „Sappo-Lada“ mit der Riesenhutze auf dem Dach gehört inzwischen zu den originellsten Rennfahrzeugen der DDR.

 

„Wolle“ arbeitet noch heute als Fahrinstruktor auf dem Lausitzring, ist Mechaniker bei Tobias Paul in der DMV-Tourenwagenchallenge und startet in dieser Serie auch mal sporadisch auf einem der BMW M3 GTR. Privat tritt ab und zu in die Fahrradpedale und findet zunehmendes Interesse an Wasserski. Am wohlsten fühlt er sich aber auf seiner 1000er Honda. Übrigens, eine Lebensgefährtin hat er auch.

Fotonachweis: Archiv Küther (8), Archiv Tobias Müller (1)