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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat November 2015


Wolfgang Günther

 

Der siegreiche Einzelgänger

 

 

Er kam nicht aus den Rennsport-Hochburgen Sachsens und Thüringens. Wolfgang Günther stammt aus der Brandenburgischen Sängerstadt Finsterwalde. Auch fuhr er keinen HTS oder MT77 wie die anderen Spitzenfahrer dieser Zeit.

 

Aber er hat gerade das geschafft, woran kaum jemand glaubte: Er entwickelte die dritte und letzte Version des an der TU Dresden konstruierten „SEG“ (Sozialistische Entwicklungsgemeinschaft) zum siegfähigen Rennwagen. Zusammen mit SEG-Mitgründer Siegfried Seifert und dem Diplom-Ingenieur Gerhard Hubrich kniete er sich mit ganzer Kraft in das teilweise als „Professorenauto“ verhöhnte TU-Projekt und führte es letztlich zum Erfolg.

 

Mit dritten Rängen in der DDR-Meisterschaft 1976 und 1978, dem 1977er Meistertitel und Spitzenplätzen im „Osteuropa-Pokal“ steht sein SEG III noch heute als Beweis in den Siegerlisten.



 

 

Der 1937 geborene Wolfgang Günther liebte als Junge den Fußball und das Fahrrad. Mit 18 kam der Einstieg in den Bahnsport, den der Finsterwalder fast 10 Jahre lang aktiv betrieb. Als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft brachte er es bis zur Teilnahme an EM-Läufen. Ab 1965 hatte dann erst mal der private Schweißbetrieb Vorrang, bevor es Mitte der 1970er Jahre mit dem Racing weiter ging, jetzt im Formelrennwagen. Mit dem Sieg in der Leistungsklasse 2 erwarb er sich 1974 auf Anhieb das Ticket für die erste Liga. Ab dem Folgejahr zählte man ihn bis zum Ende seiner Laufbahn Mitte der 1980er Jahre zum Stamm der DDR-Spitzenpiloten.

 

 

 Günther war immer am Probieren. Teilweise brachte er innerhalb eines Jahres mehrere Versionen seines Rennwagens an den Start. Kurzheck oder Langheck, Motor offen oder unter der Heckhaube, Kühler vorn oder Kühler seitlich, Fronthaube oder Flügel – er modifizierte seinen ORWO-Renner immer wieder. So lange, bis er sich darin wirklich wohl fühlte. Dann musste sich die Konkurrenz warm anziehen.

 

 

Besonders bei Auslandsrennen lief Günther in Höchstform auf: „Dort wo die besten Rennfahrer Osteuropas aufeinander trafen wurde deutlich härter gefahren. Das hat mir richtig Spaß gemacht.“, erinnert sich der 73-Jährige mit blitzenden Augen und spitzbübischem Lächeln. So gehört auch sein Sieg 1978 im ukrainischen Kiew zu den Höhepunkten seiner Karriere.

 

 

 

 

2010 wurde bei Günthers Goldene Hochzeit gefeiert. Mit seiner Frau Waltraut an der Seite hat er alle Höhen und Tiefen gemeistert und beide sind noch heute die Seelen des Finsterwalder Familienbetriebes. Diesen führt Junior Uwe heute, die Töchter Sylvia und Kerstin gehen sicher ihren Weg. Körperlich hält sich Wolfgang Günther mit Fahrrad und Motorrad fit, geistig tüftelt der Techniker an umweltgerechter Kraftstoff-Einspritzung. Und welcher Rentner macht das schon?

 

Hendrik Medrow, März 2011

 

Die easter43-Modelle der SEGIII-Rennwagen von Wolfgang Günther aus dem Jahr 1975 (oben), 1978 (rechts) und von der 1981er Langheckversion

 

Fotonachweis: Archiv Günther (2)