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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat September 2016

Steffen Nickoleit

Der Trabbi-Flüsterer

Mit roten Augen und dem Cockpit voller Glasscherben – so fuhr er 1986 als Zweiter über die Ziellinie des Sachsenrings und legte so den Grundstein für seinen ersten Meistertitel. Auf den letzten Runden war plötzlich die Windschutzscheibe seines Trabant-Renners zerborsten. „Der Fahrtwind drückte so enorm ins Gesicht, dass ich vor Tränen kaum die Strecke sah. Die ganze Aerodynamik des Autos war hinüber und ich konnte nicht einmal mehr die Drehzahl hören“, erinnert er sich, „aber aufgeben – das gab es nicht.“


Der 22-jährige Fernmeldemechaniker kam Mitte der 1970er Jahre zur Rennerei. Zunächst versuchte er sich mit einem Polski-Fiat im Rallyesport, landete dann 1977 im Renn-Trabant. Der Königshainer startete für den MC Diethendorf, einem Dörfchen in der Nähe Mittweidas (Sachsen). Dessen rennbegeisterte Einwohner traten zu Ehren Nickoleits fast komplett in den ADMV-Ortsclub ein. Befeuerte seinen ersten Trabant noch ein von Altmeister Helmut Assmann frisierter Motor, übernahm er später das Tuning selbst. Dem lockigen Sachsen gebührt der Verdienst, das Gesamtpaket des sensiblen Renntrabanten zum optimalen Höchststand entwickelt zu haben. Tank und Batterie verschwanden im Kofferraum und seine selbst konstruierte Zweitakt-Auspuffanlage fand komplett im Motorraum Platz. Weil sie so keinen Raum unter dem Fahrzeug beanspruchte, konnte er seinen Renner tiefer legen als die Konkurrenz. Auch übersetzte er das Getriebe länger. Der erste Gang – bisher nur Startgang - konnte den leichten Trabant bis auf 90 km/h beschleunigen und war somit auch im Rennen nutzbar. Ein Diffusor unter dem Heck und aerodynamische Radabdeckungen rundeten das Paket ab, mit dem der zähe Kämpfer dann auf die Erfolgsspur einbog: Vizemeister 1983/84, Dritter 1985 und DDR-Meister der Trabant-Tourenwagen von 1986 bis 1988. Für diese außergewöhnliche Leistung wurde ihm der angesehene Titel „Meister des Sports“ verliehen. Den Hattrick geschafft zu haben, erfüllt ihn heute noch mit besonderem Stolz. „Den damit zusammenhängenden Druck zu bewältigen, war eine meiner härtesten Aufgaben. Da bin ich besonders meiner Frau Steffi außerordentlich dankbar. Ohne sie hätte ich dieses Niveau nie erreicht“, schätzt Nickoleit heute ein.


Dem inzwischen über Sechzigjährigen kostet das Engagement in seiner Speditionsniederlassung nach wie vor viel Kraft und Zeit. Dazu restauriert er mit viel Geschick Motoren von Oldtimern. Deshalb findet er nur selten Gelegenheit, mit dem rennfertigen historischen Formel Easter ein paar schnelle Runden zu drehen. Sein Sohn Patrick steht beruflich auf eigenen Beinen. Die hübsche Tochter Franziska hat ihre Lebenswelt auch im Motorsport gefunden. Sie lebt inzwischen in Österreich und organisiert mit viel Feingefühl eindrucksvolle Veranstaltungen und Events.

Am 20. September feiert Steffen Nickoleit Geburtstag.


Fotonachweis: Archiv Krüger (2)