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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat Oktober 2016

Sieghard Sonntag

Die schnelle "96"

Seine Ex-Rennfahrzeuge sind noch komplett in seiner Hand, die Ladas genauso wie der Wartburg und die verschiedenen MZ-Rennmaschinen. Und auch seine unverwechselbaren Teamfahrzeuge, wie der Dreiachser Barkas und der Ikarus-Gelenkbus aus DDR-Zeiten werben noch heute im Originalzustand für volkseigene Lacke aus Leipzig.

 

Jener Tag im Jahr 1960, als der Handwerksbursche und aktive Fußballer aus dem erzgebirgischen Geyer zum ersten Mal seine 350er Jawa an den Start schob, sollte sein künftiges Leben bestimmen. Von da an streifte der 1938 geborene Sieghard Sonntag fünfzehn Jahre lang fast jedes Wochenende die Lederkombi über. 1964 wurde er DDR-Bester. 18 Siege, 28 Zweite und dritte Plätze stehen auf seinem Konto, schlussendlich eingefahren auf einer reinrassigen Zweizylinder-MZ-Rennmaschine.

 

Richtig bekannt wurde er aber als Automobilsportler. Auf seinem blauen Wartburg startete er 1975 die zweite Karriere. Sonntags Leistungen beeindruckten sofort und innerhalb eines Jahres avancierte er zum Stammfahrer der DDR-Nationalmannschaft. Mit 94 internationalen Einsätzen hielt er den Rekord unter den Tourenwagenpiloten. 1979 auf den „Shiguli“ umgestiegen, sammelte der Routinier und Perfektionist etliche Trophäen, darunter dreimal die des DDR-Vizemeisters. Die weiße „96“ mit dem charakteristischen Lacufa-Design war nicht mehr von den Rennstrecken des Ostens wegzudenken. 1982 in Kiew wurde sein Lada zum technisch und optisch besten Rennwagen gekürt. Im gleichen Jahr ehrte der ADMV seinen Stammpiloten mit seiner höchsten Auszeichnung – der Ehrennadel in Gold. Ende der achtziger Jahre ebnete Sonntag seiner Tochter Bettina den Weg in den Tourenwagensport. „Wir hatten letztlich ein richtig professionelles Rennsportteam aufgebaut, mit kompletter Fertigung von Wettbewerbsfahrzeugen und eigenem Sportmotorenbau, mit dem wir den Rennsport auch refinanzieren konnten.“, blickt der 78-Jährige nicht ohne Stolz zurück.

 

Heute lässt er es mit Rücksicht auf seine Gesundheit etwas ruhiger angehen. In seinem kleinen privaten Rennfahrzeug-Museum kann man die Perfektion bewundern, mit der in seiner Firma Rennfahrzeuge und Oldtimer restauriert wurden. Wenn das runde Leder rollt, lassen den Fußball-Fan die Spiele von Erzgebirge Aue und Motor Marienberg nicht kalt, aber das Wichtigste ist ihm seine Familie. Bei Ehefrau Karin fand und findet Sieghard Sonntag immer jedwede verständnisvolle Unterstützung.

Fotonachweis: Ralph Petzold (1), Archiv Sonntag (1)