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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat April 2016


Siegfried Seifert


Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb mit Siegfried Seifert im Dezember 2015 ein Pionier des deutschen Automobilrennsports kurz vor der Vollendung seines 95. Lebensjahres.

 







Er war schon 30, als er 1951 seinen Rennwagen zum Start seines ersten Automobilrennens auf dem Sachsenring schob. Eine Stunde später stand er auf dem Treppchen mit der großen „3“ und hatte eingesessene AWE-Werksfahrer der IFA-Sportabteilung Chemnitz düpiert. Dieses „Rennen für Ausweisfahrer“ war der Startpunkt einer Motorsportleidenschaft, die über 60 Jahre anhielt.

Siegfried Seifert hatte das Glück, in der Zeit vor der Teilung unseres Heimatlandes seinen geliebten Rennsport zu betreiben. Er fuhr in den 1950er und 60er Jahren insgesamt knapp 100 Rennen im Rennsportwagen, in der Formel III (noch mit 500 ccm), Formel Junior und wieder Formel III (1100 ccm). Als Dresdner war er auf den Heimatstrecken Sachsens genauso zu Hause wie auf dem Hockenheimring, der Solitude oder dem Nürnberger Norisring. „Wir fuhren mit den 500er Formel 3 sogar auf der Kieler Sandbahn, sowas gab´s damals“, betonte er vor wenigen Jahren bei einem Interview  lachend, „und im tschechischen Ecce Homo, als das noch ein Rundkurs war.“ Insgesamt zieren 28 Podestplätze, davon vier Siege seine eindrucksvolle Bilanz. Im Sommer 1965 fand seine aktive Karriere nach einem bösen Unfall auf dem Schleizer Dreieck ihr Ende. Der Bruch eines Hinterachskörpers am Rennwagen war die Ursache und mehrere Beckenbrüche beim Fahrer waren die Folge. Man fuhr damals noch ohne Sicherheitsgurte!


 

Der gelernte Maschinenschlosser, der von der Pike auf sein Handwerk beherrschte - drehen, schweißen und schmieden konnte - tauschte Helm gegen Reißbrett und Schweißbrenner. Bereits 1961 hatte er zusammen mit dem elffachen DDR-Meister Willy Lehmann begonnen, unter der Bezeichnung SEG (Sozialistische Entwicklungsgemeinschaft) für sich und andere Rennwagen zu konstruieren und zu bauen. Ab 1965 konzentrierte er sich nun professionell auf diese Tätigkeit. Mit Prof. Hofmann (TU Dresden) im Boot widmete sich Seifert vorrangig der Konstruktion von Rahmen und Fahrwerken. Mit diesem seinem SEG-Projekt fühlte sich Siegfried Seifert sein Leben lang verbunden.

Aufgrund seiner Erfahrungen und seiner technischen Kompetenz berief ihn der ADMV der DDR im gleichen Jahr in seine „Kommission Automobilrennsport“, wo er bis in die 1980er Jahre als Verantwortlicher für die technische Abnahme aller DDR-Formel- und Tourenwagen respektiert und geachtet war.  In dieser Funktion hatte er auch an der Festlegung des internationalen technischen Reglements für die Ostblock-Rennserie C9/B8 mitgearbeitet und im Jahr 1971 in der CSSR diese Rennserie – inzwischen als „Formel-Easter“ bekannt – mit aus der Taufe gehoben.  

Nach dem Tod seiner Ehefrau Gisela vor zehn Jahren („Wir sind ganz früher noch beide mit dem Handwagen zum Rahmenbau gezogen …“) fand er im niedersächsischen Gifhorn in der unmittelbaren Nähe seiner Tochter Reni sein letztes Zuhause. Sie und ihr Mann betreuten ihn dort liebevoll. Gern ließ er sich von seinem Schwiegersohn – keinem Geringeren als Kurt Ahrens jun. - überall mit „hinschleppen“, wo es nach Rennbenzin roch und wo Rennsport das Thema war. Ansonsten bewohnte er dort eine Seniorenwohnung und hielt sich mit Gymnastik und Laufband fit. Im letzten Jahr verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand, am Heiligabend schloss er im Alter von 94 Jahren seine Augen für immer.



Fotos: Archiv Siegfried Seifert (11)