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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Dezember 2016

Manfred Glöckner

NARVA - Exzellent-Mieder - Antiquitäten - MALIMO


Seine Karriere begann mit dem unverwechselbaren Sportwagen-Unikat PT73 von Ulli Melkus. Der hatte die gelbe Flunder 1974 an den Zwickauer Joachim Anger verkauft und Manfred Glöckner hatte bei diesem als Schrauber angeheuert. Der gelernte Kfz.-Schlosser aus der Nähe von Glauchau bekam so die Chance, sich eingehend mit der Renntechnik des Melkus-Spyders zu befassen.


Bis 1979 betreute er den NARVA-Renner und bekam dabei natürlich auch selbst Appetit auf das Rennfahren. Da die Sportwagenklasse B5 zu dieser Zeit hauptsächlich Bergrennen fuhr, lernte er dieses Metier sehr schnell kennen. 1977 setzte er dann selbst den Helm auf und sprintete mit einem serienmäßigen 353er Wartburg parallel die Berge hinauf.

Damit sammelte er die erforderlichen Erfahrungen, um im Folgejahr 1978 auf einen Renn-Trabant der Klasse A umzusteigen. Erfolgreich absolvierte der Glauchauer noch einige Bergrennen. Dabei kamen auch gute „Teamleistungen“ zustande. In Geyersdorf/Annaberg siegte Joachim Anger mit seinem Spyder und sein Mechaniker holte sich den dritten Platz bei den Trabanten hinter Udo Gaida und Steffen Nickoleit – eine solide Mannschaftsleistung für den MC Zwickau. Noch im selben Jahr debütierte er auch auf der Rundstrecke. Elfter auf dem Sachsenring, Dreizehnter in Schleiz und ein Mittelfeldplatz in Frohburg waren das Ergebnis.

Am Jahresende stand der PT73-Spyder zum Verkauf. Manfred Göckner überlegte nicht lange und übernahm das Unikat von Joachim Anger, der zum Motorboot-Rennsport gewechselt war. Das Fahrzeug kannte er aus dem Effeff, die 1979er Saison konnte kommen. Aufgrund seiner Körpergröße machten sich jedoch Modifikationen erforderlich. Er gewann sein erstes Rennen in Geyersdorf und erreichte auf Anhieb einen zweiten Gesamtrang. Nur die Mylauerin Helga Heinrich konnte er in diesem Jahr nicht bezwingen.                              

Nachdem das Jahr 1979 so gut gelaufen war, überraschte ihn die Nachricht, dass ab 1980 keine Sportwagenrennen mehr stattfinden würden. Dem enttäuschten Glauchauer blieben in den Folgejahren nur Rennen mit freien Prädikaten, bei denen er die Leistungen seines Spyders noch unter Beweis stellen konnte. Er sah sich nach einer Alternative um.

Diese bot sich im Wechsel in die Klasse B8 der Formel Easter. Den vollzog „Glocke“ 1982. Von Roland Prüfer übernahm er den SEG, den Frieder Kramer in den 1970er Jahren aufgebaut hatte. Mit Werbung für „Excellent-Mieder“ platzierte er sich in der Leistungsklasse II meist im Vorderfeld. Der zweite Platz in Frohburg war das beste Ergebnis.


Zwei Jahre später kam dann der Durchbruch mit einem MT77. Der bärtige Hüne stieg am Sachsenring auf das Treppchen mit der großen „3“, gewann das Weinbergrennen, wurde sechster in Schleiz und Fünfter in Frohburg. Das reichte für einen zweiten Gesamtrang und den Aufstieg in die Leistungsklasse I.

1985 war Manfred Glöckner dort, wo er hinwollte – in der ersten Liga der Formel Easter. Natürlich war dort die Luft dünner. Trotzdem sah der Sachse als Neuling mit der „85“ auf seinem „Malimo“-Renner am Sachsenring die Zielflagge auf Platz Sechs und in Frohburg auf Platz Fünf.

Das ergab den fünften Gesamtrang im Einstiegsjahr. Es blieb auch bis zum Ende seiner motorsportlichen Laufbahn in der DDR das beste Ergebnis des ruhigen und sympathischen Glauchauers.

Er erinnert sich: “In dieser Klasse konnte ich Platzierungen vom fünften bis zum siebenten Platz erreichen. Mehr war aus finanziellen und technischen Gründen nicht möglich. 1987 wurde ich dann als Nationalkader der DDR berufen. Das bedeutete Starts gegen die Nationalmannschaften der sozialistischen Länder. Hier war es natürlich besonders schwierig unter den ersten zehn Platzierten ins Ziel zu kommen.“

Und der Spyder? Der hatte inzwischen irgendwann in der Garage zu viel Platz weggenommen, war zerlegt worden und hatte zu großen Teilen den Weg alles Irdischen in Richtung Altmetallverwertung angetreten.


Manfred Glöckner 2015 mit Heiner Lindner beim Fachsimpeln

Manfred Glöckner hat die Altersrente erreicht, trotzdem repariert er noch nebengewerblich Fahrzeuge. Seit 1972 ist er verheiratet und nennt seine Frau Ingetraud an erster Stelle, wenn es um Verständnis und Hilfe ging. Sein Sohn (40) steht beruflich auf eigenen Füßen und lebt seit über 10 Jahren in der Schweiz. Wenn er heute nicht gerade mit seiner Frau Schwimmen geht, wandert oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, finden wir den sympathischen und ruhigen Zeitgenossen nicht selten bei historischen Rennveranstaltungen. Vom Rennsport kann er nicht lassen, dafür war er viel zu lange mittendrin. Hier freut er sich vor allem auf die Treffen mit seinen ehemaligen Asphalt-Konkurrenten, besonders auf Steffen Kämmerer und Hans-Jürgen Vogel. Über ein Phänomen ist er aber verwundert: Auch heute, wo er meist „nur“ an Präsentationen oder Gleichmäßigkeitsläufen teilnimmt, prägt ihn ein ausgesprochener Vorstartzustand. Schon am Morgen des Renntags registriert der sonst Abgeklärte eine gewisse Nervosität in der Magengegend.  


Sonst fühlt er sich wohl, denkt aber darüber nach, künftig mit einem neu aufgebauten Lada zu starten – für seinen MT77 interessiert sich ein Museum …

 

Fotonachweis: Archiv Glöckner (10)