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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat Februar 2016


Lothar Thomas


... über 40 Jahre "Skoda-Thomas"


Der achtzigste Geburtstag liegt seit einem halben Jahr hinter ihm. Aber von Alter keine Spur – nur reifer und erfahrener scheint der Radeburger Altmeister des Rennwagens zu sein.

Erst im letzten Jahr hat er einigen Jüngeren gezeigt, wo der Hammer hängt. Beim Classic-Berglauf im erzgebirgischen Zschopau brannte er beispielsweise beeindruckende Zeiten in den Asphalt. Helm und Kombi liegen immer in Griffnähe seines blitzsauberen RS130-Skoda-Coupe aus dem Jahr 1977. Bis vor zwei Jahren fuhr er noch regelmäßig im ADAC-Classic-Cup (HAIGO) historische Rennen auf der Rundstrecke, nun lässt er es doch etwas ruhiger und spontaner angehen.

 



Die Vorgeschichte im Schnelldurchlauf: 1958 mit 23 Jahren Einstieg in den Motorradrennsport auf einer 125er MZ RT, mit 25 in die Formel 3 mit Eigenbau-FIAT und Wartburg-Rennwagen. Im Jahr 1970 fand der ruhige, sympathische Radebeuler Lothar Thomas dann seine eigentliche rennsportliche Bestimmung: Renntourenwagen. Gerade erlebte in der DDR der Zweitakt-befeuerte „Wartburg“ seinen Niedergang gegen den aufstrebenden „Shiguli“ (FIAT-Lizenz). Und der Inhaber einer Skoda-Werkstatt begann, mit seinen heckmotorisierten „Skoda 1000 MB“ und „S100“ diese Phalanx zu durchquirlen. Das Jahr 1974 brachte ihm seinen ersten Meistertitel. Zwei Jahre später wiederholte er auf seinem „S120“ diesen Erfolg und beendete die Saison als DDR-Meister und bester DDR-Fahrer im Pokalwettbewerb der osteuropäischen Länder. Wohlgemerkt: Der Skoda war der „Exot“ im DDR-Fahrerfeld der Klasse A21 bis 1300 ccm. Spätestens jetzt war der Name „Skoda-Thomas“ zum Begriff geworden. 



  

Eine nachhaltige Erinnerung hinterließ er 1978. Seit zwei Jahren dominierten die tschechischen Werksfahrer auf ihren sauschnellen „Skoda 130RS“ das Renngeschehen im Osten nach ihrem Belieben. Der zurückhaltende und ehrgeizige Radebeuler baute über Winter nach deren Vorbild ein bildschönes 130er RS-Coupe auf und geigte sofort in der ersten Reihe mit. Letztlich musste er sich nur dem damals fast unbezwingbaren Peter Mücke im Zastava beugen und wurde Vizemeister. Dabei hätte er auch ihn fast gepackt: „Ich kam gut vorbereitet zum letzten Meisterschaftsrennen auf dem Sachsenring und bin innerhalb von einer Runde aus der vierten Startreihe an die Spitze gefahren!“, erinnert er sich. Durch einen Dreher in diesem Regenrennen verlor er dann jedoch den Sieg und damit den fast schon sicheren dritten Meistertitel.


    Es gab nie eine Revanche, denn neue Homologationsvorschriften bremsten sein Coupe aus und veranlassten ihn zur Beendigung seiner aktiven Karriere. „Ich erinnere mich trotzdem gern, vor allem an meine Rennfahrerkollegen Lindner, Schachtschneider oder Zimmermann. Es war ein prima Zusammenhalt und wir hatten unvergessliche Erlebnisse, besonders bei den Auslandsrennen.“ Meist war auch seine Frau Barbara an seiner Seite.


DDR-Meister 1976 mit Skoda S120 auf dem Schleizer Dreieck

   


Heute bereichert Lothar Thomas mit seinen selbst restaurierten und chauffierten Oldtimern hochwertige Rallyeveranstaltungen zwischen Alpen und Ostsee. Oder wir treffen ihn als Zuschauer bei Thomas junior im Tourenwagenfeld des ADAC-Historic-Cups (HAIGO). Seit 2007 im „Unruhestand“ blickt er zufrieden zurück. 2012 war goldene Hochzeit, sein Sohn Maik ist Prokurist einer bekannten Fassadenbaufirma und Tochter Sibylle führt seit 2008 sein 1964 gegründetes Autohaus weiter. Sie machte die „Thomas Sportwagen GmbH“ in Radebeul zur exklusiven Adresse der Luxusmarken Aston-Martin, Ferrari, Maserati und Rolls-Royce und damit weit über die Grenzen Sachsens bekannt. Der eher bescheidene und bodenständige Sachse geht zurückhaltend mit diesem Thema um, aber berechtigter Stolz blitzt schon in seinen Augen.


Hendrik Medrow 2015



Fotonachweis: Archiv Thomas (14)