easter43 miniatures
/

DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat August 2016

Klaus Schumann

Mit dem Trabant verwachsen 

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Über 35 Jahre nach seinem letzten Renneinsatz findet man den über 80-Jährigen auch heutzutage fast täglich in seiner kleinen Werkstatt im anhaltinischen Braunsbedra. Auf der Werkbank liegen Dutzende mit Maßzahlen beschriftete Kurbelwellenteile und warten auf die Bearbeitung durch seine goldenen Hände. Wie früher blitzen seine Augen spitzbübisch, wenn er über Toleranzmaße von 1000stel Millimetern philosophiert. Spätestens jetzt wird jedem klar: Hier spricht einer, der wirklich etwas vom Trabant und dessen Tuning versteht. Seine fachmännisch für den Motorsport vorbereiteten Trabant-Rennmotoren und seine präzise hergerichteten Kurbelwellen sind  heute in der 600er Rennsportszene begehrter denn je.

 

Die „Rennpappe“ begleitet ihn seit dem Frühjahr 1974. In diesem Jahr schob er seinen ersten für die Gruppe A vorbereiteten 601er zur technischen Abnahme. Hatte der noch einen Assmann-Motor, so tunte er ab 1975 seine Zweitakter selbst. Schon ein Jahr später holte sich Klaus Schumann mit seinem ersten Sieg auf dem Sachsenring den Vize-Titel. Von da an war er aus der DDR-Spitze nicht mehr weg zu denken. Zwischen 1979 und 1985 krönten fünf DDR-Meistertitel seine sportliche Laufbahn. Damit war er der erfolgreichste Trabant-Pilot überhaupt, höchst geehrt mit dem Titel „Meister des Sports“. Der Geiseltaler trug in diesen Jahren auch wesentlich zur technischen Entwicklung der Gruppe A21 bei: „Man muss sich vorstellen, mit der Siegerzeit von 1983 hätte ich mich 1976 selbst überrundet. So rasant lief bei den Trabanten die Leistungssteigerung.“

 

Der ruhige und ausgeglichene Charakter gehörte schon immer zu den beliebten Zeitgenossen. Im Rennen fuhr er mit harten Bandagen, nachts zermarterte er sich den Kopf über technische Finessen oder das optimale Übersetzungsverhältnis. Davon profitierten aber auch seine Konkurrenten, für die er gemeinsam mit seinen Mitstreitern Motoren und Getriebe baute. Das eingeschworene Dreigestirn Schumann-Hirche-Böhme finanzierte so gemeinsam den geliebten Rennsport und verbrachte Tage und Nächte in der Geiseltaler Werkstatt und in den Fahrerlagern des Ostens.

Der bodenständige Anhaltiner ist heute meist in seinem Heimatort zu finden. Mit seiner Frau Hannelore bewohnt er sein Häuschen, in dem vor sieben Jahren die Goldene Hochzeit gefeiert wurde. Fernweh hat er keines, lieber radelt er ab und zu um den Kirchturm.

Doch ein Projekt spukt noch in seinem Kopf: Der Aufbau eines Trabant 601 für die Straße. Nur durch sorgfältige Optimierung der Originalteile soll er über 30 PS leisten und sehr viel weniger Kraftstoff verbrauchen. „Der Trabant ist eigentlich kein Stinker, wenn er präzise verarbeitet und eingestellt ist“, schwört Schumann und lässt damit keinen Zweifel an seiner ewigen Liebe zum Zwickauer Zweitakter.


Fotonachweis: Archiv Schumann (1), Archiv Krüger (3), Archiv ADMV (1)