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DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat Januar 2018

Wolfgang Krug

Der verwegene Krug


1979 stieg der Großenhainer erstmals in einen Tourenwagen. Fast acht Jahre gab er kräftig Gas, dann zählte der inzwischen über 50-Jährige auf seinem 1300er Lada in dieser Liga zur absoluten DDR-Spitze. Am Ende des Jahres 1987 stand vorerst der Titel des Vizemeisters.


Das war genau der richtige Ansporn für das Jahr 1988, in dem sich der ruhige Sachse nach immerhin 14 Jahren grandios die  zweiten Meisterlorbeeren seiner Rennfahrerlaufbahn erstritt. Sein härtester Konkurrent Bernd Müller kam mit einem Punkt Vorsprung zum entscheidenden Rennen nach Frohburg. Doch der Routinier Krug hatte sich mit der schnellsten Trainingszeit die Pole-Position gesichert und stürmte beim Start auf und davon. Mit einem Vorsprung von 15 Sekunden wurde er schließlich abgewinkt. Sein Sieg war zu keiner Zeit gefährdet, der Meistertitel damit in trockenen Tüchern.

 

Er kann somit gern als lebender Beweis dafür gelten, dass Erfahrung und Hartnäckigkeit gegenüber jugendlichem Draufgängertum durchaus eine Chance haben. Seine Startnummer „87“ gehörte über Jahre hinweg zum festen Bestandteil der ostdeutschen Nationalmannschaft.

 


Angefangen hat alles bereits 35 (!) Jahre früher. 1952 schwang sich der 16-Jährige auf den Sattel eines Sandbahn-Motorrades und brannte in Meißen erste Furchen in das Erdreich. Ob Teterow oder Ludwigslust, ob Sandbahn oder Speedway, zwölf Jahre lang schlug das Herz des kleinen Großenhainers für den Zweiradsport ohne Bremsen. 1962 erlebte diese Laufbahn mit einem dritten Platz der DDR-Speedway-Meisterschaft ihren Zenit.

 

Zwei Jahre später wechselte er vom Schlackekurs auf den glatten Asphalt, von zwei Rädern auf vier. Am Lenkrad einer geborgten silbernen Zigarre mit dem damals üblichen Dreizylinder-Zweitaktmotor drehte er seine ersten Runden in der Formel III. Doch noch bis Anfang der 1970er Jahre musste der frisch gebackene Besitzer einer Autowerkstatt auf regelmäßige Lorbeeren warten.

 

Erst mit Gründung der 1300er-Ost-Formel „C9“ und dem Einsatz von Viertaktmotoren stieg seine persönliche Erfolgskurve rasant an. Mit einem neu aufgebauten SEG-Rennwagen bezwang er nach und nach die ostdeutsche Konkurrenz und verschaffte sich auch in den Nachbarländern gehörigen Respekt. Die Rennsaison 1974 krönte er verdient mit dem DDR-Meistertitel, die Jahre 1973 und 1975 sahen ihn als Vize, und die 1976er Osteuropa-Pokalrunde beendete er als bester Deutscher.

 

Zur gleichen Zeit entstanden in der „Saporoshez“-Werkstatt des zielstrebigen und bedachten Sachsen nebenher fünf Sportwagen für die Gruppe B. Diese verhalfen dem Doppelstarter einerseits zu zweifachem Lorbeer, gleichzeitig refinanzierte er durch deren Verkauf seinen Rennsport. Auch die Rennamazone Helga Heinrich fuhr auf einem seiner Spyder viele ihrer Bergpreise ein.

 

Bis 2009 fuhr Wolfgang Krug noch aktiv Tourenwagenrennen, siegte 2005 beim HAIGO-Tourenwagen-Cup. Meist sah man ihn auf einem Ford mit Werbung für sein Autohaus der gleichen Marke. Unter dem Strich stehen bei dem sympathischen Altmeister 57 Jahre aktiver Rennsport. „Besonders die Erlebnisse bei den Auslandsrennen mit meinen Rennkollegen Schachtschneider und Isensee gehören zu den schönsten, die ich nie vergessen werde“, erinnert sich der freundliche Sachse mit einem verschmitzten Schmunzeln.

 

Glücklich feierte er vor wenigen Jahren die Goldene Hochzeit mit seiner Elli, die all die Höhen und Tiefen des Rennsports miterlebte. Bis heute werkelt der agile Achtziger fast täglich in seiner Werkstatt, um einen inzwischen sehr selten gewordenen „Saporoshez 965“ zu restaurieren. In den 1960er Jahren hat er diese Fahrzeuge in seiner Werkstatt betreut.




Aus: "Von Könnern, Machern und Legenden", HB-Werbung und Verlag 2016,  ISBN 978-3-00-054449-1
Fotonachweis: Archiv Krug  (4),Archiv Heinrich (1)