easter43 miniatures
/

DDR-Rennwagenmodelle

 

Portrait Monat Oktober 2017

Helmut Aßmann

Der Trabant-Papst

 

Er war einer der treibenden Keile bei der Entwicklung eines regulären Rundstrecken-Rennbetriebes für die Zwickauer Kleinwagen.

 

Der Thüringer gehörte zu den Motorsportenthusiasten, die  1957 den Allgemeinen Deutschen Motorsportverband der noch jungen DDR mit begründeten. Und bis zum letzten Tag blieb er seinem Verband mit allen Höhen und Tiefen auf das Engste verbunden. Er war nicht nur erfolgreicher Rennfahrer, begnadeter Techniker und findiger Organisator – Helmut Aßmann war eine Institution.

 

Seit 1950 kannte der Motorsport seinen Namen. Bis 1969 war es der Motorradrennfahrer Helmut Aßmann, der anfangs im Renngespann und im Gelände - ab 1958 dann sehr erfolgreich in der 125-ccm-Klasse der Rennmotorräder nach den Trophäen jagte. Der Gothaer Mathematik- und Physiklehrer war ein Tüftler und baute seine MZ-Rennmotorräder als einer der ersten auf Wasserkühlung um. Schnell gehörte er zum DDR-Nationalkader. Er nahm Heinz Rosner und Bernd Thüngethal zu Beginn ihrer Karrieren unter seine Fittiche. Sein Motorrad stellte er 1968 mit einer stolzen Bilanz von exakt 40 Podiumsplätzen bei 148 Starts ab.

 

Ab 1969 fuhr Helmut Aßmann Rallyes und Tourenwagenrennen. Bis zum Ende seiner Rennfahrerlaufbahn war er ausschließlich im Trabant unterwegs. Gleich im ersten Jahr machte er auf der Rundstrecke mit einem schlitzgesteuerten Zweivergaser-Motor auf sich aufmerksam. Der Renner startete im Feld der Melkus RS1000-Sportwagen und sollte gemeinsam mit anderen Rallye-Tourenwagen dieses recht kleine Starterfeld der Klasse B6 auffüllen. Er und seine Trabant-Kollegen füllten nicht nur – zum Teil mischten sie es auf. Der unerwartete Erfolg der teilnehmenden Trabant-Rennwagen entzündeten sein Herz für Rundstreckenrennen und ließen ihn von einer echten Trabbi-Serie träumen.

 

Helmut Aßmann wollte kostengünstige Rennen auf der Basis des Serienmotors. An dieser Idee arbeitete der inzwischen zum Vorsitzenden des MC Gotha im ADMV avancierte Motorsportler unermüdlich. 1971 schrieb der ADMV dann endlich die vornehmlich von ihm initiierte Tourenwagenklasse A21 für die Trabant-Renner aus. Bis 1978 fuhr Helmut Aßmann dann selbst aktiv in diesem Feld und holte sich 1973, 1974 und 1978 die Meisterehren. In 198 nationalen und internationalen Tourenwagenrennen stieg er 111-mal auf das Podest. Den 600er Trabant-Motor machte er wie kein anderer leistungsstark und standfest, was ihm auch den Ruf des „Trabant-Papstes“ einbrachte. Aus seiner Hand gingen im Laufe der Jahre etwa 40 getunte Trabant-Motoren den Weg in die Rennkarossen der DDR-Aktiven (Hans-Dieter Kessler, Karl Hiemisch, Ralf Unbehaun, Herbert Halte, Kai Kögler u.a.), aber auch in die CSSR und nach Ungarn. „Aßmann-Power“ war ein Begriff.

1978 servierte Helmut Aßmann den Rennbesuchern des Sachsenrings am Ende seiner aktiven Laufbahn noch einen Leckerbissen: In einer Rennpause versuchte er, auf dem „Heiteren Blick“ mit seinem Trabbi und einer extra langen Übersetzung die 200 km/h-Marke zu knacken. Der eigens von der Verkehrspolizei in der Senke vor der Queckenbergkurve installierte Geschwindigkeitsmesser (damals noch „Schläuche“) blieb bei 198 km/h hängen. Trotzdem: eine unglaubliche Geschwindigkeit für einen Trabant!

 

Nach dem Fall der Grenzen rief Helmut Aßmann 1993 seinen Trabant-Lada-Racing-Cup (TLRC) ins Leben. Er wollte seine geliebten Trabbis weiter im Rennsport sehen. Zudem führte der umtriebige Gothaer mit gewohntem Geschick den neu gegründeten ADMV-Landesverband Thüringen. Auch seine über Jahrzehnte bekannte ADMV-Werkstatt – sozusagen sein Lebenswerk und Anlaufpunkt mehrerer Generationen von Motorsportlern - betrieb das ideenreiche Energiebündel mit viel Enthusiasmus bis 2003 weiter.

In jenem Jahr zog sich der inzwischen 76-Jährige dann leider enttäuscht aus allen seinen Aktivposten zurück. Die Querelen um die Abwicklung dieser Werkstatt aufgrund der Rückübertragung des Grundstücks hatten ihm die Lust und Kraft für weitere Aktivitäten genommen.

 

Der Genussraucher und Liebhaber klassischer Musik mochte die leisen Töne und war unzähligen Motorsportlern ein geachteter, beliebter und außerordentlich kameradschaftlicher Partner. Der mit seiner Heimatstadt Gotha zutiefst verbundene Sympathieträger des Ost-Motorsports verstarb 82-jährig im August 2010. Die Beileidsbekundungen für seine Frau Monika und Sohn Bernhard kamen aus allen Teilen des Landes.

Seine Renn-Trabbi´s haben ihn überlebt, sie haben noch heute einen festen Platz im historischen Rallye- und Rennsport. Wenn irgendwo der typische Abgasduft eines getunten Trabants in die Nase steigt, ist es nicht abwegig, dass man sich an ihn erinnert – an ihn: den „Trabant-Papst“.

Aus: "Von Könnern, Machern und Legenden", HB-Werbung und Verlag 2016,  ISBN 978-3-00-054449-1
Fotonachweis: Archiv Aßmann  (2), Archiv Krüger (1)